Vollständiger Falltext
Fallbeispiel UK JAC Datum: Ulrike ist 43 Jahre alt und erlitt vor etwa einem Jahr einen schweren Apoplex, der ihr Leben stark verändert hat. Vor dem Schlaganfall war sie eine engagierte und leidenschaftliche Schwimmlehrerin für die DLRG. Sie leitete Trainingsgruppen, organisierte Kurse und verbrachte einen großen Teil ihrer Freizeit im Wasser.
Ihre kommunikative, energische und verantwortungsbewusste Art prägte ihren Alltag und ihre Arbeit mit den Jugendlichen. Nach dem Schlaganfall jedoch veränderten sich ihre sprachlichen und motorischen Fähigkeiten deutlich. Während sie früher problemlos und selbstverständlich sprach, ist ihr sprachlicher Ausdruck nun stark eingeschränkt.
Ulrike kann mit großer Anstrengung einzelne Wörter formen, die von Betreuenden verstanden werden, mit denen sie schon länger zusammenarbeitet. Oft entstehen unverständliche Lautäußerungen oder abgebrochene Sprechversuche, die sie frustrieren, sobald sie merkt, dass ihr Gegenüber sie nicht versteht. Häufig nutzt sie Gestik, Mimik oder Blickbewegungen, um sich auszudrücken.
Eine zusätzliche Herausforderung stellt ihre linksseitige Hemiparese dar, die sowohl ihr Gangbild als auch ihre Feinmotorik beeinträchtigt. Ulrike möchte verstanden werden und bemüht sich aktiv, wieder mehr Einfluss auf ihre Kommunikation zu nehmen. Heute lebt sie in einer besonderen Wohnform in Gangelbach, die auf Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen ausgerichtet ist.
Im sozialen Umfeld der Wohngruppe zeigt sie sich freundlich und interessiert, zieht sich jedoch zurück, sobald sie mehrfach nicht verstanden wird oder merkt, dass ihre Kommunikationsversuche scheitern. Eine Alltagssituation zeigt ihre Schwierigkeiten besonders deutlich. An einem Nachmittag möchte Ulrike unbedingt an der Schwimmtherapie teilnehmen.
Das Thema Wasser ist für sie nach wie vor emotional bedeutsam, und es gibt ihr ein Gefühl von Vertrautheit und Selbstwirksamkeit. Sie versucht mit Gesten und Mimik auszudrücken was sie möchte. Die zuständige Fachkraft kann ihre Absicht nicht erkennen. Nach mehreren missglückten Versuchen schlägt sie mit ihrer nicht gelähmten Hand auf den Tisch und beginnt zu weinen.
Ein neuer Mitarbeiter der Einrichtung wird Zeuge der Situation und ist unsicher, wie er hilfreich reagieren kann, ohne sie zusätzlich zu belasten. Gleichzeitig fragt er sich, wie ihre frühere Tätigkeit als Schwimmlehrerin im Prozess der Kommunikationsunterstützung berücksichtigt werden kann, um ihre Motivation und ihre emotionalen Ressourcen einzubeziehen.
A1: Relevante Informationen, Herausforderungen und Ressourcen
Ulrike ist eine 43-jährige Frau, die vor etwa einem Jahr einen schweren Apoplex erlitt. Seitdem sind ihre sprachlichen und motorischen Fähigkeiten deutlich verändert. Besonders relevant ist, dass ihr sprachlicher Ausdruck stark eingeschränkt ist, während ihre Kommunikationsabsicht deutlich vorhanden bleibt. Sie versucht einzelne Wörter zu formen, nutzt Gestik, Mimik und Blickbewegungen und möchte verstanden werden. Eine heilerzieherische Herausforderung besteht darin, ihre Frustration und den Rückzug nicht als störendes Verhalten, sondern als Folge wiederholter Kommunikationsabbrüche zu verstehen. Hinzu kommt die linksseitige Hemiparese, die Mobilität und Bedienbarkeit von Hilfen beeinflusst. Als Ressourcen sind ihre Motivation, ihre körpereigene Kommunikation, vertraute Mitarbeitende, ihre freundliche Grundhaltung und besonders ihre frühere Tätigkeit als DLRG-Schwimmlehrerin nutzbar.
Heilerzieherische Herausforderungen
- Ulrikes Kommunikationsabsicht muss erkannt werden, auch wenn Lautsprache nicht zuverlässig verständlich ist.
- Frustrationsreaktionen dürfen nicht als aggressives Verhalten isoliert bewertet werden, sondern müssen als Folge misslingender Kommunikation verstanden werden.
- Neue Mitarbeitende benötigen einfache, verbindliche Partnerstrategien, damit Ulrike nicht von zufällig vertrauten Personen abhängig bleibt.
- Die UK-Hilfen müssen motorisch zugänglich sein, da die linksseitige Hemiparese Feinmotorik und Bedienung beeinflusst.
- Die emotionale Bedeutung von Schwimmen und Wasser muss in der Assistenzplanung berücksichtigt werden, damit Teilhabe nicht auf Versorgung reduziert wird.
- Rückzugstendenzen müssen frühzeitig bearbeitet werden, weil sie soziale Teilhabe und Selbstwirksamkeit verringern können.
Nutzbare Ressourcen
- Ulrike möchte verstanden werden und bemüht sich aktiv um Kommunikation.
- Sie verfügt über körpereigene Kommunikationsformen wie Gestik, Mimik und Blickbewegungen.
- Einzelne Wörter können bei vertrauten Betreuenden verstanden werden.
- Ihre DLRG-Biografie und das Thema Wasser sind starke emotionale und identitätsbezogene Ressourcen.
- In der Wohngruppe zeigt sie sich grundsätzlich freundlich und interessiert.
- Die besondere Wohnform ist auf neurologische Beeinträchtigungen ausgerichtet und kann fachliche Standards etablieren.
Systematische Darstellung AFB I
| Bereich | Fallbelege | Bedeutung |
|---|
| Person und Biografie | Ulrike ist 43 Jahre alt. Sie war vor dem Schlaganfall engagierte Schwimmlehrerin bei der DLRG. Wasser, Training und Verantwortung prägten ihren Alltag. | Die frühere Rolle ist eine zentrale Identitäts- und Motivationsressource. |
| Gesundheitliche Situation | Vor etwa einem Jahr erlitt sie einen schweren Apoplex. Sie hat eine linksseitige Hemiparese. Gangbild und Feinmotorik sind beeinträchtigt. | Motorische Einschränkungen beeinflussen Mobilität und die Bedienbarkeit von UK-Hilfen. |
| Kommunikation | Der sprachliche Ausdruck ist stark eingeschränkt. Einzelne Wörter gelingen nur mit großer Anstrengung. Häufig entstehen unverständliche Lautäußerungen oder abgebrochene Sprechversuche. Sie nutzt Gestik, Mimik und Blickbewegungen. | Es bestehen erhebliche expressive Kommunikationsbarrieren bei vorhandener Kommunikationsabsicht. |
| Emotion und Verhalten | Sie wird frustriert, wenn sie nicht verstanden wird. Sie zieht sich zurück, wenn Kommunikationsversuche scheitern. In der Situation schlägt sie mit der nicht gelähmten Hand auf den Tisch und weint. | Das Verhalten ist als Ausdruck von Überforderung, Hilflosigkeit und misslingender Kommunikation zu deuten. |
| Wohn- und Unterstützungskontext | Sie lebt in einer besonderen Wohnform in Gangelbach für Menschen mit neurologischen Beeinträchtigungen. Ein neuer Mitarbeiter ist unsicher im Umgang mit der Situation. | Nicht nur Ulrike, sondern auch das Team benötigt Kommunikationsstrategien und gemeinsame Standards. |
A2: Analyse mit Fachwissen
Kurzdiagnose Prüfungslogik: Ulrikes Fall ist eine UK- und Teilhabesituation nach Apoplex mit ausgeprägter expressiver Sprachbeeinträchtigung, Frustration, linksseitiger Hemiparese und starker biografischer Ressource im Bereich Schwimmen/DLRG. Prüfungsentscheidend ist die Verbindung von Aphasie, kommunikativer Umweltanpassung, Biografiearbeit, Empowerment und konkreten Partnerstrategien.
Apoplex
Ein Apoplex ist eine akut auftretende Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn, die je nach betroffener Hirnregion motorische, sensorische, kognitive und sprachliche Folgen haben kann. Häufige Folgen sind Hemiparese, Aphasie, Aufmerksamkeitsprobleme und veränderte Alltagskompetenzen.
Aphasie
Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung nach Hirnschädigung. Sie kann Sprachproduktion, Sprachverständnis, Benennen, Wiederholen, Lesen und Schreiben betreffen. Wichtig ist: Aphasie bedeutet nicht automatisch eine geistige Behinderung oder fehlendes Verstehen.
Unterstützte Kommunikation bei erworbener Sprachstörung
UK kann bei Aphasie ergänzend eingesetzt werden, um Verständigung im Alltag zu sichern. Geeignet sind Ja/Nein-Strategien, Schlüsselwortkarten, Bild- und Symboltafeln, Kommunikationsbücher, Biografie- oder Ich-Bücher, Gesten, Schriftanteile, Fotos und Partnerstrategien.
Partnerstrategien
Kommunikation gelingt nicht allein durch ein Hilfsmittel. Kommunikationspartner müssen Zeit geben, Blickkontakt aufnehmen, geschlossene und offene Fragen passend einsetzen, Aussagen absichern, Wahlmöglichkeiten visualisieren, nicht vorschnell korrigieren und verstanden Gesagtes rückmelden.
Empowerment und Biografiearbeit
Empowerment zielt auf Selbstwirksamkeit, Einflussnahme und Stärkung vorhandener Kompetenzen. Biografiearbeit nutzt bedeutsame Lebensrollen und Erfahrungen, damit Unterstützung an Identität und Motivation anknüpft.
ICF
Ulrikes Teilhabeeinschränkung entsteht aus der Wechselwirkung von Körperfunktion, Aktivität, Teilhabe und Umwelt. Nicht nur die Aphasie, sondern auch unvorbereitete Mitarbeitende können zur Kommunikationsbarriere werden.
Fallanalyse AFB II
- Ulrikes Frustration in der Schwimmtherapie-Situation ist fachlich als Folge einer blockierten Kommunikationsfunktion zu verstehen: Sie möchte einen konkreten Wunsch äußern, findet aber kein ausreichend verständliches Ausdrucksmittel.
- Dass vertraute Betreuende einzelne Wörter besser verstehen, zeigt, dass nicht nur Ulrikes Fähigkeit, sondern auch die Erfahrung des Gegenübers entscheidend ist. Kommunikation muss deshalb teamfähig standardisiert werden.
- Die linksseitige Hemiparese verlangt eine motorisch angepasste UK-Auswahl, z. B. gut erreichbare Tafeln auf der nicht betroffenen Seite, größere Felder und eindeutige Blick-/Zeigeoptionen.
- Das Thema Schwimmen ist nicht bloß Freizeitwunsch, sondern biografisch mit Kompetenz, Verantwortung und Selbstbild verbunden. Wird dieser Bereich berücksichtigt, kann UK emotional bedeutsam und motivierend werden.
- Der Rückzug nach misslungenen Verständigungsversuchen zeigt ein Risiko sozialer Isolation. UK muss daher auch Teilhabe und Beziehung sichern, nicht nur Sachinformationen übertragen.
Ausformulierter Mustertext
Ulrikes Situation lässt sich fachtheoretisch mit den Folgen eines Apoplex, insbesondere Aphasie und Hemiparese, sowie mit Unterstützter Kommunikation analysieren. Aphasie bedeutet, dass Sprache nach einer Hirnschädigung erworben gestört ist; sie darf nicht mit fehlendem Verstehen oder mangelnder Motivation verwechselt werden. Im Fall zeigt sich dies daran, dass Ulrike kommunizieren möchte, einzelne Wörter mit großer Anstrengung bildet und zusätzlich Gestik, Mimik und Blickbewegungen nutzt. Die Eskalation am Tisch ist daher nicht als isoliertes Fehlverhalten zu bewerten, sondern als Ausdruck einer massiven Kommunikationsbarriere. Die Analyse muss zudem die Umwelt berücksichtigen: Vertraute Betreuende verstehen sie eher als neue Mitarbeitende. Dadurch wird deutlich, dass Partnerstrategien und ein teamweit zugängliches Kommunikationssystem erforderlich sind. Ihre Biografie als Schwimmlehrerin ist eine zentrale Ressource, weil das Thema Wasser Selbstwirksamkeit, Identität und Motivation anspricht.
A3: Zielgerichtete Handlungsmöglichkeiten
Leitgedanke: Kommunikationsbarrieren werden nicht bei Ulrike individualisiert, sondern durch UK, Partnerstrategien, Biografiebezug und Teamstandard bearbeitet.
Akute Kommunikation in Wunsch- und BelastungssituationenZiel: Ulrike kann in konkreten Alltagssituationen Wünsche, Zustimmung, Ablehnung, Emotionen und Unterstützungsbedarf verständlicher ausdrücken.
Maßnahmen:
- Eine leicht erreichbare Kommunikationskarte mit Kernbegriffen erstellen: ja, nein, Schwimmen, später, Hilfe, Pause, traurig, wütend, Schmerz, Toilette, trinken, fertig.
- Symbole/Fotos groß und kontrastreich anordnen und an die motorisch besser nutzbare Seite anpassen.
- Mit Ulrike ein verlässliches Ja/Nein-Signal klären und im Team dokumentieren.
- In Belastungssituationen erst validieren, dann Auswahl anbieten: „Ich sehe, du willst etwas. Geht es um Schwimmen?“
Begründung: Die Maßnahme reduziert die Umweltbarriere und macht Ulrikes vorhandene Kommunikationsabsicht nutzbar. Sie entspricht UK-Grundsätzen, weil mehrere Ausdruckskanäle akzeptiert werden.
Evaluation: Überprüft wird, ob Ulrike in mindestens drei Alltagssituationen pro Woche mit Karte, Blick, Geste oder Wort verständlich eine Auswahl oder Aussage treffen kann.
Biografieorientierte UKZiel: Ulrike erlebt ihre frühere Rolle als Schwimmlehrerin als bedeutsam und kann darüber kommunizieren.
Maßnahmen:
- Ein Ich-Buch bzw. Kommunikationsbuch mit Fotos und Begriffen aus ihrer DLRG- und Schwimmbiografie erstellen.
- Seiten zu wichtigen Themen anlegen: Wasser, DLRG, Kurse, Jugendliche, Training, Schwimmtherapie, Gefühle, Wünsche.
- Das Buch in ruhigen Situationen gemeinsam nutzen, nicht erst in Krisen.
- Ulrike entscheidet mit Blick, Geste oder Wort, welche Bilder und Begriffe aufgenommen werden.
Begründung: Biografiearbeit stärkt Identität und Selbstwirksamkeit. Die Maßnahme nutzt eine zentrale Ressource statt Ulrike auf Defizite nach dem Schlaganfall zu reduzieren.
Evaluation: Dokumentiert wird, ob Ulrike das Buch anschaut, Seiten auswählt, auf Inhalte reagiert und ob Gespräche über Schwimmen dadurch gelingen.
Team- und PartnerstrategienZiel: Alle Mitarbeitenden, auch neue, reagieren sicher und einheitlich auf Ulrikes Kommunikationsversuche.
Maßnahmen:
- Einen kurzen Kommunikationspass erstellen: bevorzugte Zeichen, Ja/Nein-Signal, Wartezeit, hilfreiche Fragen, zu vermeidende Reaktionen.
- Neue Mitarbeitende erhalten eine kurze Einweisung vor der Begleitung.
- Partnerstrategien einüben: langsam sprechen, eine Frage auf einmal, Schlüsselwörter visualisieren, Antwortzeit geben, Verstandenes rückmelden.
- Eskalationen werden im Team nachbesprochen: Was wollte Ulrike vermutlich sagen, welche Barriere bestand, welche Strategie half?
Begründung: Kommunikation ist interaktiv. Bei Aphasie entscheidet die Kompetenz des Gegenübers wesentlich über Teilhabe und Stressreduktion.
Evaluation: Beobachtet werden Anzahl misslungener Kommunikationssituationen, Rückzug nach Gesprächen, Nutzung des Kommunikationspasses und Rückmeldungen des Teams.
Ausformulierte Musterlösung
Ein zentrales Ziel ist, dass Ulrike ihre Wünsche in Alltagssituationen verlässlicher äußern kann und dabei weniger Frustration erlebt. Dazu wird gemeinsam mit ihr eine kleine, motorisch gut erreichbare Kommunikationskarte erstellt, die zentrale Begriffe wie ja, nein, Schwimmen, Hilfe, Pause, traurig und fertig enthält. Die Fachkraft achtet darauf, Ulrikes Gestik, Mimik, Blickbewegungen und einzelne Wörter gleichwertig zu akzeptieren. In der konkreten Schwimmsituation würde sie zunächst validieren: „Ich sehe, dass dir das wichtig ist“, und anschließend mit der Karte klären, ob Ulrike zur Schwimmtherapie möchte. Ergänzend wird ein biografieorientiertes Ich-Buch mit Fotos und Begriffen aus ihrer DLRG-Zeit aufgebaut. Diese Maßnahme ist fachlich begründet, weil UK nur dann wirksam ist, wenn sie an bedeutsame Lebensinhalte und vorhandene Ressourcen anschließt. Die Zielerreichung wird überprüft, indem dokumentiert wird, ob Ulrike Wünsche häufiger ohne Eskalation ausdrücken kann, ob Mitarbeitende ihre Signale sicherer verstehen und ob sie sich weniger aus Gruppensituationen zurückzieht.
Prüfungsnahe Musterformulierung
Ulrike ist eine 43-jährige Frau, die vor etwa einem Jahr einen schweren Apoplex erlitt. Seitdem sind ihre sprachlichen und motorischen Fähigkeiten deutlich verändert. Besonders relevant ist, dass ihr sprachlicher Ausdruck stark eingeschränkt ist, während ihre Kommunikationsabsicht deutlich vorhanden bleibt. Sie versucht einzelne Wörter zu formen, nutzt Gestik, Mimik und Blickbewegungen und möchte verstanden werden. Eine heilerzieherische Herausforderung besteht darin, ihre Frustration und den Rückzug nicht als störendes Verhalten, sondern als Folge wiederholter Kommunikationsabbrüche zu verstehen. Hinzu kommt die linksseitige Hemiparese, die Mobilität und Bedienbarkeit von Hilfen beeinflusst. Als Ressourcen sind ihre Motivation, ihre körpereigene Kommunikation, vertraute Mitarbeitende, ihre freundliche Grundhaltung und besonders ihre frühere Tätigkeit als DLRG-Schwimmlehrerin nutzbar.
Ulrikes Situation lässt sich fachtheoretisch mit den Folgen eines Apoplex, insbesondere Aphasie und Hemiparese, sowie mit Unterstützter Kommunikation analysieren. Aphasie bedeutet, dass Sprache nach einer Hirnschädigung erworben gestört ist; sie darf nicht mit fehlendem Verstehen oder mangelnder Motivation verwechselt werden. Im Fall zeigt sich dies daran, dass Ulrike kommunizieren möchte, einzelne Wörter mit großer Anstrengung bildet und zusätzlich Gestik, Mimik und Blickbewegungen nutzt. Die Eskalation am Tisch ist daher nicht als isoliertes Fehlverhalten zu bewerten, sondern als Ausdruck einer massiven Kommunikationsbarriere. Die Analyse muss zudem die Umwelt berücksichtigen: Vertraute Betreuende verstehen sie eher als neue Mitarbeitende. Dadurch wird deutlich, dass Partnerstrategien und ein teamweit zugängliches Kommunikationssystem erforderlich sind. Ihre Biografie als Schwimmlehrerin ist eine zentrale Ressource, weil das Thema Wasser Selbstwirksamkeit, Identität und Motivation anspricht.
Ein zentrales Ziel ist, dass Ulrike ihre Wünsche in Alltagssituationen verlässlicher äußern kann und dabei weniger Frustration erlebt. Dazu wird gemeinsam mit ihr eine kleine, motorisch gut erreichbare Kommunikationskarte erstellt, die zentrale Begriffe wie ja, nein, Schwimmen, Hilfe, Pause, traurig und fertig enthält. Die Fachkraft achtet darauf, Ulrikes Gestik, Mimik, Blickbewegungen und einzelne Wörter gleichwertig zu akzeptieren. In der konkreten Schwimmsituation würde sie zunächst validieren: „Ich sehe, dass dir das wichtig ist“, und anschließend mit der Karte klären, ob Ulrike zur Schwimmtherapie möchte. Ergänzend wird ein biografieorientiertes Ich-Buch mit Fotos und Begriffen aus ihrer DLRG-Zeit aufgebaut. Diese Maßnahme ist fachlich begründet, weil UK nur dann wirksam ist, wenn sie an bedeutsame Lebensinhalte und vorhandene Ressourcen anschließt. Die Zielerreichung wird überprüft, indem dokumentiert wird, ob Ulrike Wünsche häufiger ohne Eskalation ausdrücken kann, ob Mitarbeitende ihre Signale sicherer verstehen und ob sie sich weniger aus Gruppensituationen zurückzieht.